Sonntag, 19. Oktober 2014

Sonntagstratsch // Über das Ding mit dem älter werden...

Über das Ding mit dem älter werden

Ich scrolle durch meine Facebook Timeline. Isabell hat ihr Baby bekommen. Ein Mädchen und unglaublich süß. Laura wurde auf einem Bild von einer Hochzeit markiert. Die Braut darauf war einen Jahrgang unter mir. Verdammt, denke ich mir. Bin ich wirklich schon so alt? Bin ich jetzt tatsächlich in dem Alter, in dem wir heiraten und Kinder kriegen? Schon vor fünf Jahren, als ich mein Abitur gemacht habe, waren gleich zwei Mädchen auf unserer Schule schwanger. Damals war das wohl eher ungeplant, aber die Mädels haben sich für ihre Kinder entschieden und sie bekommen. Die, die heute, fünf Jahre später schwanger werden, die haben das größtenteils geplant. Sie wollen Mutter werden und das ist mit Mitte 20 ja auch vollkommen in Ordnung...


...Ich bin seit gestern 25 Jahre alt. 25… die Hälfte von 50… ein vierteltes Jahrhundert. Ich frage mich, ob ich mich anders fühle als mit 24? Irgendwie nicht… Aber mit 20? Das auf jeden Fall… Nur wie anders? Wenn ich daran zurück denke, was ich mit 20 dachte, wie ich mit 25 sein würde, dann muss ich schmunzeln. Wie sehr doch einfach nichts so gekommen ist, wie ich es geplant oder erwartet hatte und wie gut trotzdem alles geworden ist.
Aber spulen wir zurück: Als ich 20 war hatte ich gerade mein Abitur in der Tasche und einen Studienplatz in Biotechnologie bekommen. Warum Biotechnologie? Ganz einfach, ich hatte Bio LK (zwar nur 5 Punkte im Abi, aber egal) und meine Eltern arbeiten in der Pharma Branche. Eigentlich ist das Grund genug und irgendwie auch selbstverständlich, dass  das Kind sich beruflich ebenfalls in die Richtung entwickelt. Ich hatte meinen Freund mit dem damals noch alles super war und hätte man mich damals gefragt: „Wie wird dein Leben in 5 Jahren aussehen?“ Dann hätte ich folgendes geantwortet: „Ich werde mit meinem Studium fertig sein, in einem coolen Labor arbeiten, ein Heilmittel gegen Aids entwickeln oh und ich lebe mit meinem Freund zusammen und ich bin verlobt.“ Hmm ja, so viel zur Theorie.

Das Biotechnologie Studium habe ich nach zwei Semestern abgebrochen weil ich einfach keine Laborratte bin. Wer will schon die ganze Zeit weiße Kittel tragen? Darin sehen nur Ärzte sexy aus. Das mit dem Freund hatte sich nur kurz darauf ebenfalls erledigt, denn der wollte noch was erleben und sich nicht so früh binden, was mir damals völlig unverständlich war. Wieso will man single sein? Das macht doch überhaupt keinen Sinn.
Ich musste also meinen Plan neu schreiben und habe relativ schnell begriffen, dass es eben jenen Plan eigentlich gar nicht gibt, beziehungsweise nicht geben sollte. Die 20er sind wahrscheinlich die coolste Zeit im Leben, es ist irgendwas zwischen erwachsen werden und sich so fühlen, aber die Steuererklärung trotzdem noch von Papa machen lassen. Ich bin zum einen nicht so erwachsen, wie ich es vor 5 Jahren erwartet hatte, zum anderen aber viel erwachsener. Auf eine andere Art und Weise. Ich bin nicht verlobt (Himmel ich habe nicht mal annähernd sowas wie eine Beziehung überhaupt in Aussicht), ich stehe nicht fest im Berufsleben (also ja, irgendwie schon, aber eben nicht 9 to 5 wie ich es eben erwartet hatte) und auch sonst hat sich mein damaliger Lebensplan in keinster Weise erfüllt. Was ich aber sagen kann ist folgendes: Ich schmeiße meinen Haushalt und bin Mutter und Vater für Eileen, meine Schwester Fiona und Karli in einem. Ich bin genauso ein Putzteufel geworden wie meine Mutter (das hatte ich mit 20 nun wirklich nicht erwartet) und ich shoppe gerne Kuchenformen bei Tschibo (wtf? Mit 20 hätte ich das Geld in einen Mac Lippenstift investiert). Ich bin single und glücklich damit und ich bin vor allem in der Lage meinen Kram alleine zu erledigen (Bis auf die Steuererkärung, die macht nach wie vor Papa) und ich bin von niemandem abhängig und genieße meine Freiheit. Ich verdiene Geld mit dem was mir Spaß macht. Nicht so viel, dass ich mir davon ein Haus kaufen könnte, aber immerhin ein bisschen was und das macht mich unglaublich stolz. Ich habe mit Eileen eine beste Freundin gefunden und darf mit ihr und meiner BFF for life, meiner Schwester, zusammen wohnen. Sowas hatte ich früher nie. Ich hab immer zu schnell zu viel in Freundschaften investiert und bin damit meist auf die Schnauze gefallen, bis ich es irgendwann gelassen und bei oberflächlichen Freundschaften belassen habe.

Über das Ding mit dem älter werden

Ich glaube ich habe mich selten so verändert, wie in den letzten fünf Jahren. Und auch wenn eigentlich nichts so gekommen ist, wie ich es geplant hatte, so ist es doch genau richtig, so wie es ist. Ab heute bin ich näher an der 30 als an der 20. Das macht mich einerseits nervös und andererseits stolz und neugierig. Die letzten fünf Jahre wurde kontinuierlich immer alles besser, also wieso sollte es nicht auch die nächsten fünf Jahre so sein? Über Angst vor dem älter werden reden wir dann mit 30 nochmal aber noch bin ich eigentlich ganz entspannt. (Auch wenns an meinem Geburtstag selbst nicht so aussah und ich meine Mitmenschen, allen voran Eileen, Linda und Magdalena damit in den Wahnsinn getrieben habe. Sorry hierfür <3)
Stress mache ich mir im Übrigen auch keinen, das Berufsleben hat mich noch früh genug und auch Mutter muss ich nicht mit 25 werden, das ist auch mit 30 noch okay. Bis dahin finde vielleicht sogar ich mal nen Kerl. Und wenn nicht: Auch in Ordnung, denn wie man sieht komme ich auch gut alleine klar.

Also an alle Mädels, die heute 20 sind: Pläne sind was Schönes, sie geben einem Sicherheit und man hat das Gefühl, man hat einen Leitfaden. Wenn mal was nicht nach Plan läuft ist das aber auch kein Beinbruch. Alles passiert aus einem Grund und auch wenn du heute denkst, es läuft einfach nichts so wie du dir das vorstellst: Doch, das tut es… Du weißt es nur noch nicht. Lass dir das mal von einer weisen, alten Frau gesagt sein. ;)

Kommentare:

  1. Ein toller Post! Und es ist so wahr - ich bin dieses Jahr auch 25 geworden und mir gingen genau die gleichen Gedanken durch den Kopf. Aber du hast Recht, das Leben ist nicht schlechter sondern besser geworden in den letzten Jahren und deshalb sollte man sich gar nicht so viele Gedanken übers Älter werden machen!
    xx, Brini
    http://brinisfashionbook.com/2014/10/13/outfit-midi-rock

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  2. So so toll geschrieben <3 herrlich :)

    XOXO verena

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  3. Unheimlich schöner Post - ich werde nächstes Jahr auch 25 und mir schwirren die gleichen Fragen durch den Kopf wie dir...ich hätte selbst auch nie gedacht, dass mich das älter werden so beschäftigen würde...

    Liebste Grüße
    Luise von www.just-myself.com

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  4. Jaja, das Älterwerden, ich finde es auch immer noch unglaublich das ich schon 27 bin obwohl ich doch gestern noch 19 war...

    xx
    Sissa

    heartsforheels.blogspot.de

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