Sonntag, 9. November 2014

Sonntagstratsch // Über Schlankheitswahn und Photoshop


Wir stehen bei H&M und sind immer noch leicht ungläubig darüber, dass so wenig los ist. Heute kam die Alexander Wang X HM Kollektion raus und man braucht weder anstehen, noch Bändchen, noch sonst irgendwas. Außerdem ist noch fast alles in allen Größen da. „Perfekt.“, denken wir uns, „da kann man ja doch mal was probieren.“ Eigentlich hatten wir das nämlich gar nicht vor, aber die Story haben wir euch ja bereits erzählt... 


...Wir sind also mit einem Stapel Kleider ab in die Umkleidekabine und haben aus reiner Gewohnheit zu den Größen gegriffen, die wir eben immer bei H&M tragen. Eileen hat sich das enge Kleid in XS mitgenommen und die Leggings in S, weil es da keine XS mehr gab. Ich habe mir das Kleid, das ich am Ende auch gekauft habe in XS und den engen Rock in S eingepackt, weil es da auch keine XS mehr gab. „Mal sehen, ob der überhaupt passt.“, dachte ich mir. Bei solchen Röcken, die auf der Tallie sitzen, habe ich dank Stundenglasfigur eigentlich immer XS, alles andere ist mir da zu weit.  In der Umkleidekabine kam dann prompt die große Freude/Ernüchterung. Der Rock passte in S perfekt. Das war schon mal gut. Lustig wurde es, als Eileen versuchte, das enge Kleid anzuprobieren, das ging nämlich überhaupt nicht. In die XS ist sie nicht mal ansatzweise rein gekommen und bei der S sah es auch nicht viel besser aus. An diesem Punkt fragte ich mich wirklich: "Was ist los H&M?" Nicht nur, dass die Teile überhaupt nur bis M produziert wurden, dass ein Mädchen mit absoluten Modelmaßen in eine S nicht rein passt, ist schon leicht heftig.
Dazu muss ich sagen, dass Eileen tatsächlich zu diesen Menschen gehört, die einfach von Natur aus schlank sind. Eileen isst viel mehr als ich, fast nur Kohlehydrate und nimmt kein Gramm zu. Das ist einfach so. Wir sind wirklich die letzten, die den Magerwahn irgendwie beschönigen wollen aber Eileen sieht eben nun mal so aus, ohne irgendwas dafür zu tun. Umso erschreckender ist es, wenn jemand wie Eileen in Klamotten nicht rein passt. Die Leggings, die sie am Ende gekauft hat war übrigens eine S. S ist sonst immer zu groß. Ich frage mich wirklich, was diese übertrieben kleinen Kleidungsstücke uns bringen sollen. Normal schlanke Frauen wie ich müssen am Ende zur M greifen (was an sich ja auch keine große Größe ist, sondern eben eine normale) und auch ich frage mich bei so etwas kurz, ob ich etwa zugenommen und es nicht gemerkt habe.
Ein weiteres Thema, das sehr gut hierzu passt ist Photoshop. Klar, wir Photoshoppen unsere Bilder. Hauptsächlich drehen wir dabei an der Lichtstimmung und an der Helligkeit aber klar, auch wir machen mal einen Pickel weg und auch wir Photoshoppen mal ein Speckröllchen (bei mir, Eileen hat keine :)) wenn's an der Stelle einfach unschön aussieht. Das kommt aber eigentlich eher selten vor und wir denken, das kann man noch verantworten. Ich hab zum Beispiel gar keine Ganzkörper Bikinibilder von mir hochgeladen, weil man da einfach zu viel hätte photoshoppen müssen, bis ich zufrieden gewesen wäre und das muss einfach nicht sein.  Aber was ist mit Bildern, die so stark gephotoshoppt sind, dass man denkt, man sieht ein Model und in echt sieht's dann schon wieder ganz anders aus? Das finden wir ehrlich gesagt schwierig. Andererseits wird man selbst als Blogger ja fast schon dazu gezwungen, weil man sonst „uhh bist du dick“ Kommentare kassiert. Außer natürlich, man ist Plus size Blogger und bekennt sich von Anfang an zu seinen Pfunden, das ist ja wieder was ganz anderes.

Fakt ist, man kann es nie allen Recht machen. Ist man von Natur aus sehr schlank, so wie Eileen, bekommt man es zum einen mit viel Neid zu tun, zum anderen aber auch mit blöden Kommentaren, wie „iss mal was“. Wenn man hingegen ein bisschen mehr drauf hat und es weg photoshoppt, dann ist man schwach und beeinflussbar, weil man nicht dazu stehen kann. Also was nun? Gerade wir beide sind uns da für uns eigentlich sehr einig. Ich hätte oft gerne Eileens lange, schlanke Beine aber dafür beneidet sie mich um meine weibliche Figur. Man will wohl immer das, was man nicht haben kann. Letztendlich hat es uns – so blöd es klingt – beiden mehr Selbstvertrauen gegeben, als wir gemerkt haben, dass die jeweils andere auch nicht zu 100% zufrieden ist. Das wird man wahrscheinlich auch nie sein. Aber seit dem ist Eileen noch ein bisschen stolzer auf ihre Beine und ich mag meine Kurven noch ein bisschen lieber. Und wenn Labels denken, eine XS muss einer 8-jährigen passen, dann greifen wir in Zukunft gerne zur M. 

Kommentare:

  1. Toller Beitrag!
    ich gehöre eher zur Kategorie M / L bei H&M, also für mich gibt es die Kollektion gar nicht ;-)

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